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Porträt: Waltenberger-Haus

Für Holzträger gibt´s Schnaps

Älteste Alpenvereins-Schutzhütte besticht durch spröden Charme

 

Hoch oben, unterhalb der Mädlegabel und zu Füßen der Berge der guten Hoffnung steht Bayerns älteste Alpenvereins-Hütte: Das Waltenberger-Haus. Der auf 2084 Metern Höhe gelegene Stützpunkt am Allgäuer Hauptkamm ist nach wie vor eine der kleineren Schutzhütten in der Region – und auch eine der gemütlichsten. 70 Gäste kann Hüttenwirt Gerhard „Mandi“ Böllmann beherbergen. An schönen Wochenenden müssen die Bergwanderer denn auch schon einmal mit einem Notquartier vorlieb nehmen. Erbaut wurde das Waltenberger-Haus 1875 von der Alpenvereins-Sektion Allgäu-Immenstadt – ein Jahr nach deren Gründung. Doch die Freude über den neuen Stützpunkt, unter anderem vor allem für die Besteigung der Mädelegabel errichtet, währte nicht lange: Schon nach wenigen Jahren drang Feuchtigkeit ins Mauerwerk ein und die Giebelmauer stürzte ein. Es fehlte einfach noch die Erfahrung im Schutzhütten-Bau.

 

Im Juli 1885 wurde ein kompletter Neubau schließlich eingeweiht. Mandi Böllmann (56) führt zusammen mit einem Team junger Leute das Waltenberger-Haus nun schon seit über 25 Jahren und ist ein klein wenig stolz darauf, dass der Stützpunkt 1998 mit dem Umwelt-Gütesiegel des bayerischen Umweltministeriums ausgezeichnet worden war. Zur umweltfreundlichen Bewirtschaftung gehören unter anderem eine Photovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung und ein kleines Windrad.

 

Böllmann war es auch, der vor mehr als 20 Jahren das traditionelle Firngleiter („Figele“)-Rennen im Bockkar einführte, wo der Altschnee oft Ende Juni noch über einen Meter hoch liegt. Nur heuer machte das Wetter Mandi erstmals einen Strich durch die Rechnung: Wegen des enorm frühen Sommerwetters musste das Rennen mangels Schnee abgesagt werden. „Wer unten vom Tal ein Stück Holz im Rucksack mit hinaufschleppt, bekommt einen Schnaps“ – mit dieser einfachen Formel sorgt Mandi Böllmann dafür, dass immer genügend Holz für kühle Tage oben ist. Denn auch im Hinblick auf die Versorgen ist das Waltenberger-Haus etwas Besonderes: Es gibt keinen Materiallift – alles muss hoch getragen oder vom Hubschrauber auf die Hütte geflogen werden. Einmal zu Beginn der Saison fliegt d4er Helikopter viele Zentner haltbare Verpflegung, Bierfässer und andere Getränke für teures Geld hinauf. Frische Lebensmittel wie Brot, Gemüse oder auch Fleisch müssen die ganze Saison über hinaufgetragen werden.

 

Die meisten Übernachtungsgäste auf dem Waltenberger-Haus sind auf dem Heilbronner Weg unterwegs oder wollen am nächsten Tag die Trettach besteigen. Und dann sind da natürlich noch die Kletterer, die die Trettach überschreiten (hinauf auf dem Nordost- und hinunter über den Nordweg-Grat, 3. Schwierigkeitsgrad) oder schwerere Touren am „Matterhorn des Allgäus“ klettern, wie beispielsweise die Route „Spiel der Geister“.

Waltenberger Haus

Kapazität: 65 Lager, 6 Betten, 5 Notlager, Winterraum 9 Plätze offen

Aufstieg: ab Einödsbach etwa 2,5 Stunden

Gipfel: Mädelegabel (zwei Stunden), Trettach (Kletterei, 2. bis 3. Schwierigkeitsgrad), Zugang zur Heilbronner Weg über Bockkar-Scharte.

Geöffnet: Mitte Juni bis Mitte Oktober (je nach Wetter)

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