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Pico Teide (3.717 m)

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Pico Teide - Eine Nacht auf 3.717 Meter

Autor:   Harald Conrad
Land: Spanien, Kanarische Inseln, Teneriffa
Gebirge: Canadas del Teide
Höhendifferenz: 1.698 m
Gesamtdauer: 15 Stdn, zweitätig (6 h bergauf, 9 h bergab)
Charakter: Die gesamte Tour ist geprägt von den Auswirkungen des Vulkanismus. Die Vegetation ist dementsprechend spartanisch, die geologischen Impressionen dafür umso gewaltiger. Besonders beeindruckend sind die Dimensionen. Allein die Gipfelhöhe verspricht besonders imposante Ausblicke. Die Größe der Caldera ist nicht minder atemberaubend. Beides zusammen verdeutlich nachdrücklich die unglaublichen Kräfte der Natur. Wer dann noch ein Auge für Details hat - Flora, Fauna, Strukturen des Gesteins, etc. kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Schwierigkeiten: Die Tour bietet keine alpinistischen Schwierigkeiten, lediglich der vulkanische Untergrund stellt etwas höherer Anforderungen an das Schuhwerk und die Gehtechnik bzw. Kondition.
Bike&Hike-Index: JJJJJ   1 2 3 4 5
Hike Kondition       J  
  Trittsicherheit   J      
  Orientierung     J    
Landschaft/Aussicht           J
Flora/Fauna           J zum Seitenanfang
Talort: El Portillo de las Canadas
Alternativ: Berghotel Parador, für einen früheren Beginn der Tour als Übernachtungsgelegenheit nutzen
Anfahrt / ÖPNV: Hinfahrt: Von jedem Küstenort erreicht man bequem mit den öffentlichen Bussen den Ausgangspunkt. Die gemütliche Fahrt über die Bergstrasse bietet zudem die Gelegenheit, sich in aller Ruhe auf die Landschaft und die bevorstehende Tour einzustimmen.
Rückfahrt: Entweder vom Besucherzentrum (Berghotel Parador) oder von Villaflor zurück zur Küste.
Ausgangspunkt: El Portillo de las Canadas
Jahreszeit: ganzjährig möglich
Frühjahr: schöne Vegetation, jedoch eher Niederschläge
Herbst: kaum Niederschläge, beste Wanderzeit, es blüht jedoch fast nichts mehr
Winter: eventuell Schneefall
Karte: "Tenerife, La Palma, El Hierro, Gomera", Die Generalkarte, 1:150.000, Mairs Geografischer Verlag
Literatur: Bergwelt Teneriffa, Führer für Wanderer und Bergsteiger, Manfred Beck, Fink-Kümmerly+Frey
Kinder: ab 16 Jahren
Ausrüstung: Stöcke, Biwaksack, Schlafsack, Verpflegung für 2 Tage
Wasser: keines
Hütten: Berghotel Parador (2.100 m): 30 meist 2-Bett aber auch einige 3-Bett-Zimmer der span. Kategorie "3-Sterne". Einlass auch nachts für verspätete Bergsteiger
Refugio de Altavista (3.270 m): nur von Mai bis November bewirtschaftet, für Selbstversorger (nur warme Getränke und im Notfall Speisen), 20 ganzjährig zugängliche Notunterkünfte im Nebengebäude
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Verkehrsamt: Spanisches Fremdenverkehrsamt z. B. in Frankfurt, Bethmannstr. 50, Tel. 069-282782 und 
Parkverwaltung im Berghotel Parador
Aufstieg:

Eine unvergessliche Biwakübernachtung auf dem höchsten Vulkangipfel Teneriffas und zugleich der Kanarischen Inseln erlebte ich während einer Inseldurchquerung. Die beiden Tage der Überschreitung des Teide bildeten die „Königsetappen“ des Unternehmens.

Die gesamte Landschaft um den Teide ist vulkanischen Ursprungs, was ihr einen besonderen Reiz verleiht. Dieses Gebiet mit fast 16 Kilometern Durchmesser, das als Caldera bezeichnet wird, sieht wie eine riesengroße Schüssel aus. Sie entstand, als bei einem großen Ausbruch der Bergkegel weggesprengt wurde. Lediglich die Ränder blieben stehen. Dies ereignete sich vor ca. 300.000 Jahren. Heute gibt es nur noch am nördlichen Rand ein kleines Gebiet mit geringer vulkanischer Aktivität: den TEIDE. Startpunkt ist das kleine Bergdorf El Portillo am östlichen Rand der Canadas-Hochebene. Von dort schlängelt sich der Weg durch die sanften Hügel aus Bimssteingeröll am Fuß des Vulkans. In der glühenden Mittagszeit muss ich mich mit dem feinkörnigen, nachgebenden und vor allem kräftezehrenden Auswurf vergangener Eruptionen abmühen. Trotzdem macht es Spaß, hinter jeder Bodenwelle neue Einblicke in die ungewohnte Umgebung zu gewinnen. Der einmalige Charakter des Geländes vermittelt sich mir erst durch den direkten Kontakt mit den aus der Ferne trostlos und abweisend wirkenden Kakteen und Dornensträuchern der Fels- und Sandlandschaft.
Dieser Lebensraum ist reich an Insekten aller Art sowie vielen kleinen und großen Blumen. Ein herausragendes Exemplar der Pflanzenwelt ist die Taginaste. Sie ist typisch auf Teneriffa und erreicht die beeindruckende Höhe von bis zu drei Metern. Der Blütenstand nimmt davon gut zwei Drittel in Anspruch und wird von circa zehntausend kleinen, roten Blüten gebildet.
Der Weg führt nach ungefähr ein einhalb Stunden aus diesem relativ grünen Bereich heraus auf eine etwas höher gelegene, vegetationslose Bimssteinkuppe, die Monatana Blanca. Aus 2.700 Metern Meereshöhe bietet sich hier ein wundervoller Rundblick über die gesamte Caldera. Die Strecke dort hinauf ist teilweise mit Lavakugeln gesäumt, von denen manche im Durchmesser mehr als zwei Meter aufweisen.
Im selten gebotenen Schatten der Felsen ist die Gelegenheit günstig, Pause zu machen und ein Mittagessen zu kochen: Fleischbrühe, um den Salzverlust auszugleichen, dazu Müsliriegel als Kalorienzufuhr, Vollkornkäsebrot und ganz besonders wichtig - jede Menge Wasser.
Nach dem kontrastreichen Zwischenstück wechselt die Szenerie nochmals. Ich bin jetzt am Beginn des eigentlichen Aufstiegs zum Krater. Die Hänge setzen sich aus den Resten der Ausbrüche zusammen. Ständig ändern sich Konsistenz und Farbe des Untergrundes. Anfangs steige ich durch helles, eher kleinkörniges Gestein, das mit zunehmender Höhe immer grober und dunkler wird.
Auf einer kleinen Ebene, circa 500 Höhenmeter unter dem Gipfel, passiere ich die einzige Berghütte der Insel: das Refugio Altavista. Die Hütte ist groß, aber leider nicht geöffnet. Zum Ausgleich befinden sich im Nebengebäude einige Notlager, diese sind jedoch sehr schmutzig und wirken nicht gerade einladend auf mich.
Da ich noch Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit habe, beschließe ich, die Nacht auf dem Krater statt im Notlager zu verbringen. Nach einer kleinen Pause nehme ich die letzten Meter bis zum Gipfel in Angriff. Der Pfad führt an einer kleinen Höhle, der Trinkwasserversorgung des Refugio, und an der bereits geschlossenen Seilbahnstation vorbei über einen gepflasterten Weg bis zum Gipfelgrat. Hier bin ich schutzlos dem sturmartigen Wind ausgesetzt, der vom Meer heranbraust. Mein Rucksack bietet eine so große Angriffsfläche, dass es mich immer wieder einen Schritt zur Seite wirft. Um nicht hinzufallen, muss ich mich vorübergehend auf allen Vieren fortbewegen.
Nach insgesamt sechs Stunden erreiche ich endlich den Kraterrand. Obwohl er nicht besonders groß ist, bietet sich doch ein eindrucksvolles Bild: Vor mir der Kraterkessel, umgeben von gezackten Felsen und ringsum der grandiose Ausblick auf ganz Teneriffa und einige der Nachbarinseln. Bei meinem Rundgang entdecke ich schwefelspeiende Löcher im Kraterboden, die sich durch den typischen Geruch nach faulen Eiern schon von weitem ankündigen.
Schließlich finde ich auch noch ein geeignetes Plätzchen für die Nacht; den einzigen Ort mit Windschatten auf dem gesamten Gipfel! Hier richte ich es mir so gemütlich wie möglich ein, lasse mich auf einer schrägen Felsplatte wie in einem Fernsehsessel nieder und warte auf den Sonneuntergang - ein ganz besonderes Schauspiel: Die Wolken färben sich immer stärker Rot, während die glühende Scheibe langsam im Meer versinkt. Wie eine gigantische Sonnenuhr wirft der Berg seinen Schatten über die Insel, bis die Spitze schließlich nach Gran Canaria zeigt.
Kaum ist der Feuerball hinter dem Horizont verschwunden, erscheinen auch schon die ersten Sterne am Himmel und nach wenigen Minuten zeigt sich die Milchstraße in ihrer ganzen Pracht. Von unten blinken die Lichter der Küstenstädte herauf, als ob sie mit den Sternen konkurrieren wollten. Obwohl es langsam empfindlich kühl wird, sitze ich noch lange so da und lasse meine Gedanken schweifen.
Als ich in den Biwaksack krieche und mit dem Reißverschluss meines Schlafsackes kämpfe, sieht mir eine kleine Maus mit großem Interesse zu. Wahrscheinlich wartet sie nur darauf, meinen Reiseproviant ungestört inspizieren zu können.
Nach einer langen, größtenteils durchwachten Nacht, entschädigt mich der Sonnenaufgang für die Unbequemlichkeiten dieses Biwaks. Das Aufglühen des Gipfels und der Canadas-Feldwände treiben mich aus dem Schlafsack. Schnell packe ich in der Kälte zusammen und steige zur Bergstation ab. Hier findet die Katzenwäsche aus der Wasserflasche statt, anschließend gönne ich mir ein ausgiebiges Frühstück. Ich begehe noch den vulkanischen Lehrpfad, der in vorbildlicher Weise von der Verwaltung des Nationalparks eingerichtet wurde.

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Abstieg: Nun wird es Zeit, dass ich diesen außergewöhnlichen Berg verlasse, denn die Bergbahn bringt jeden Tag Tausende von Touristen hier herauf, die alle nicht einmal andeutungsweise die Eindrücke mit nach Hause nehmen können, wie ich sie sammeln konnte. Entlang der Bahntrasse steige ich bis zur Straße ab, an den "Roques de los Reyes" - dem von vielen Postkarten bekannten Wahrzeichen Teneriffas - vorbei führt mich mein Weg zum Besucherzentrum. Ich wandere im Verlauf des Nachmittags über die dem Touristenstrom etwas unzugänglicheren „Paisaje Lunar“ - einer bizarren Mondlandschaft aus erodiertem Sandstein - nach Villaflor. Mitten im Dorf, bei einem verlassenen Haus, mache ich mein nächstes Biwak.

Wegweiser-Tableau mit Kurzbeschreibung: Tourenkurzbeschreibung zum Ausdrucken !!

Alle Angaben dieser Tour sind mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt. Eine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit wird hiermit nicht gegeben; eine Haftung für die Inhalte ausgeschlossen. Die Verwendung der Informationen erfolgt auf eigenes Risiko.

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Brenta Korsika-GR20 Nadelhorn Grubachspitze Thaneller Bretterspitze
Knittelkarspitze Muttekopf Kellespitze